Garten- & Landschaftsbau-Verband

Auf den Ernstfall vorbereitet

ThinkstockPhotos 477106354 bigNiemand will den Weg zu Gericht. Sollte dieser aber notwendig werden, ist es von Vorteil, auch darauf vorbereitet zu sein.

Auch wenn Sie gar nicht daran denken, mit Ihrem Geschäftspartner einmal vor Gericht gehen zu müssen und diesen dann als Gegner zu erleben, gilt es vorausschauend einige Punkte zu bedenken, die Ihnen quasi „in Fleisch und Blut“ übergehen sollten.

Dokumentation
Auch wenn Sie sich im Recht fühlen, der Prozess wird manchmal aufgrund der Beweissituation und auch der Rechtssituation vielleicht in eine Richtung gehen, an die Sie am Anfang gar nicht gedacht haben. Deshalb ist es unerlässlich, bereits im Vorfeld einer gerichtlichen Auseinandersetzung eine ordentliche, überschaubare und vollständige Dokumentation jedes Geschäftsfalles zu haben. Halten Sie also alles, was in irgendeiner Form von Relevanz sein kann, immer schriftlich fest. Im Prozess kann der Richter ja nur über die angebotenen Beweise sein Urteil bilden, weshalb eine schriftliche Dokumentation zu Beweiszwecken unerlässlich ist.
Dies bedeutet einen Verwaltungs- und Zeitaufwand, der Ihnen vielleicht jetzt als kontraproduktiv vorkommt, doch spätestens im ersten Prozess, den Sie führen müssen, macht es sich bezahlt.

Besonnenheit
Lassen Sie sich nicht in unnötige Hast drängen, da Sie mit Stress und daraus entstandenen Fehlern vor Gericht nicht argumentieren können, wo man zur Prüfung des Sachverhalts viel mehr Zeit hat. Ein Richter wird es nicht verstehen, wenn Sie gemachte Fehler mit „Zeitdruck“ verantworten wollen. Lassen Sie im Geschäftsleben auch Emotionen soweit es geht aus dem Spiel! Es ist eine alte Regel, dass derjenige, der emotionell wird (zum Beispiel bei der Besprechung einer mangelhaften Leistungserbringung etc.), schon verloren hat.

Leistungsdefinition
Wenn Sie Forderungen haben oder sich mit Forderungen konfrontiert sehen (Geldforderungen oder Forderungen zur Verbesserung von Mängeln etc.) stellen Sie von Anfang an klar, welche Forderungen dies genau sind. Grenzen Sie diese Forderungen ein, besprechen Sie dies mit ihren Kontrahenten, damit der Leistungsumfang, über den vielleicht später einmal gestritten wird, eindeutig feststeht. Auch hier ist Schriftlichkeit oberstes Gebot.

Termine und Fristen
Halten Sie Termine, welcher Art auch immer, immer schriftlich fest! Lassen Sie sich diese bestätigen, und überprüfen Sie, ob diese Termine (zum Beispiel bei Mängelrügen etc.) auch rechtzeitig sind.
Beim Setzen von Fristen bedenken Sie, dass nach einem erfolglosen Fristablauf jedenfalls eine Aktion oder Reaktion von Ihnen erwartet wird. Überlegen Sie deshalb bereits vor Fristsetzung, was Sie nach Ablauf machen wollen. Auch zur gerichtlichen Durchsetzung ist die Einhaltung von Fristen besonders wichtig, weil Sie nach Fristablauf (Verjährung/ Verfristung etc.) Ihr Recht vielleicht nicht mehr durchsetzen können.
Bei auf Klagen bezogenen Fristen ist ein Rechtsstreit ja bereits vorhanden, und es ist empfehlenswert, eine rechtliche Vertretung mit der Aufgabe zu betrauen.

Offene Rechnung
Die Erfahrung zeigt, dass das Verschweigen von Problemen letztlich immer ein Vielfaches kostet als das direkte Ansprechen von Problemen. Wenn Sie mit der Eintreibung offener Rechnungen Probleme haben, liegt das meistens nicht nur an der mangelnden Liquidität Ihrer Kunden, sondern auch an einem nicht optimal organisierten Rechnungswesen. Hier macht ein mehrteiliges Mahnstufen-System keinen Sinn, besser ist, offensiv und direkt mit dem Kunden zu sprechen. Selbst wenn der Kunde im Moment die gesamte vertragliche Zahlungsverpflichtung nicht übernehmen kann, gibt es verschiedene Instrumente der wechselseitigen Absicherung beider Vertragspartner.

Ratenvereinbarung
Eine Ratenvereinbarung etwa sollte jedenfalls die wesentlichsten Eckpunkte widerspiegeln und wenn möglich sogar im Rahmen eines so genannten „prätorischen Vergleichs“ bei Gericht abgeschlossen werden. Bedenken Sie jedenfalls, dass eine Ratenvereinbarung eine Stundung der geforderten Beträge darstellt, und dass Sie für den Fall einer nicht rechtzeitigen Bezahlung einer Rate einen so genannten „Terminsverlust“ vereinbaren müssen, weil es sonst zu erheblichen Schwierigkeiten mit der Staffelung der Fälligkeit kommen kann.

Mahnschreiben
Wenn alles nicht gefruchtet hat, macht langes Zuwarten nur noch wenig Sinn. Meistens kann auch schon ein anwaltliches Mahnschreiben, das von allen Beteiligten als sehr ernste Vorstufe zur weiteren Klagseinbringung gesehen wird, den Kunden zur Zahlung motivieren. Der Kunde weiß dann, dass der nächste Schritt die Klage sein wird, und muss sich gut überlegen, ob er das riskiert oder nicht.

Text Dr. Stephan Trautmann

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