Garten- & Landschaftsbau-Verband

Die Bedeutung von Erde im GaLaBau

Erde Aufmacher smalFrüher war alles viel leichter – auf den Baustellen wurde der „Humus“ abgeschoben und für die ­Gestaltung des Gartens später wieder aufgetragen. Die Probleme mit dieser weit verbreiteten ­Praxis häufen sich, da einerseits die Qualität dieser Oberböden immer schlechter, und gleichzeitig die ­Ansprüche der Kunden immer größer werden.

Torffreiheit ist mittlerweile weit mehr als eine Modeströmung geworden. Spätestens seit dem ersten Klimaschutzbericht des IPCC (International Panel of Climate Change) im Jahr 2007 weiß jeder Fachmann, dass wir unsere Wirtschaftsweise ändern und den unnötigen CO2-Ausstoß in die Atmosphäre reduzieren müssen. Da der Torfabbau nicht nur Feuchtbiotope zerstört, sondern dabei auch einer der größten Kohlenstoffbunker der Erde angegriffen wird, werden die Forderungen immer lauter, Torfabbau zur Gänze zu verbieten. Auch wenn dieses Verbot noch lange auf sich warten lässt, so ist diese Botschaft schon längst beim Kunden angekommen. Torffreie Erden anbieten zu können, ist deshalb mittlerweile ein wichtiges Qualitätsmerkmal.

Eine weitere Herausforderung ist die Unkrautfreiheit. Wie erwähnt, gibt es immer mehr Kunden, die sich keine Wiese, sondern ein Golfgreen im Garten vorstellen – also einen Rasenteppich ohne jeden Anflug von Unkraut. In einem Liter Ackerboden sind im Durchschnitt 60 Unkrautsamen enthalten, die bei suboptimalen Bedingungen für die Rasenansaat schneller keimen als jeder Rasen – damit sind Probleme und aufwendige Nachbesserungen vorprogrammiert.

Erde 1 smalDer dritte Punkt ist die Gewährleistung. Wer kennt schon die Zusammensetzung einer gesiebten Ackererde, wie z. B. den Lehm- oder Sandgehalt, geschweige denn die wichtigsten chemischen Parameter, wie pH-Wert, Nährstoff- oder Kalkgehalt? Kennt jeder Gartengestalter auch wirklich die Bedürfnisse seiner Pflanzen – Rosen lieben beispielsweise Lehm, während Rasen genau das Gegenteil will – nämlich Sand. Um den steigenden Kundenansprüchen wirklich gerecht zu werden und wirklich mit ruhigem Gewissen eine Gewährleistung für seine Arbeit abgeben zu können, muss die verwendete Erde genau bekannt sein, oder dieses Risiko ausgelagert werden – zum Beispiel an ein Erdenwerk.

Eine weitere Herausforderung sind spezielle Anforderungen durch die Umgebung oder die Pflanzen selbst – man denke nur an die Begrünung von Dächern oder Parkplätzen, an das Pflanzen von Bäumen in Städten, an Blumentröge oder auch an Moorbeete. In diesen Bereichen haben sich schon viele Gartengestalter daran gewöhnt, dass man dafür auch spezielle Substrate benötigt und somit der abgeschobene Humus von der Baustelle nicht mehr in Frage kommt.

Rechtliche Rahmenbedingungen
Nicht zu vernachlässigen ist der rechtliche Rahmen. Dabei gibt es keine Probleme, wenn Humus abgeschoben, auf der Baustelle zwischengelagert und anschließend hier wieder eingebaut wird. Spannender wird es, wenn Erde von Baustellen entsorgt wird, weil es sich dabei dann rechtlich um „Abfall“ handelt. Diese Erden dürfen infolge nur mehr gemäß der ÖNorm S 2122 („Erden aus Abfällen“), oder der ÖNorm S 2210 („Komposterden“) eingesetzt werden, was einen mehr oder weniger großen Untersuchungsumfang und eine entsprechende Zertifizierung nach sich zieht.

Wer diesen Rechtsrahmen ignoriert, riskiert ein Strafverfahren wegen illegaler Abfallentsorgung und ein Finanzrechtliches Verfahren nach dem Altlastensanierungsgesetz, da die „Deponierung von Abfällen“ immer kostenpflichtig ist. Wer sich mit dieser Materie nicht auseinandersetzen möchte, ist ebenfalls bei einem Erdenhersteller bestens bedient, da hier nur zertifizierte Produkte verkauft werden dürfen und die Verantwortung immer beim Inverkehrbringer (also dem Erdenhersteller) liegt. In diesem Zusammenhang muss auch erwähnt werden, dass ab sofort Sackware nur mehr nach dem Düngemittelgesetz in Verkehr gebracht werden darf. Die ÖNorm S 2203 („Kulturerden aus Kompost“) wurde im Jänner 2018 zurückgezogen, da sie von einigen großen Erdenherstellern missbraucht wurde um schlechte Qualitäten der Kontrolle durch die Behörde zu entziehen.

Zusammensetzung einer guten Erde
Die richtige Zusammensetzung hängt weitgehend vom Einsatzort ab, wobei es neben den Sondermischungen eine grundsätzliche Zweiteilung gibt:

  • Freilanderden (zum Humusieren, Rasen Säen, Sträucher und Bäume im Freiland Pflanzen)
  • Eingesperrte Erden: das sind Erden, die keinen Kontakt mit dem Untergrund haben und deswegen für die Stabilität einen deutlich erhöhten Strukturanteil benötigen.
  • Sondermischungen

Freilanderden
Diese Erden bestehen meist aus Kompost und lehmigem Sand oder Sand und müssen teilweise sehr unterschiedlichen Anforderungen gerecht werden. Rasen benötigt beispielsweise eine völlig unterschiedliche Mischung – je nachdem wo er sich befindet und wie intensiv er benützt und auch gepflegt werden soll. Im Bereich Hausgarten eignen sich dazu Mischungen mit lehmigem Sand, wobei der Lehmanteil in der Gesamtmischung bis zu zehn Prozent betragen darf. Der Lehmanteil bringt den Vorteil der besseren Wasser- und Nährstoffspeicherung, wodurch der Pflegeaufwand (Düngen und Gießen) auf ein Minimum reduziert wird. Je intensiver der Rasen genutzt wird, desto niedriger muss auch der Lehmanteil sein – im Extremfall landet man bei einer Sportrasenmischung, die völlig lehmfrei mit einem gewaschenen Quarzsand (und Kompost) gemischt wird. Diese Erdmischung zeichnet sich durch eine extrem hohe Wasserdurchlässigkeit aus, damit der Rasen auch bei Regen noch bespielbar bleibt.
Dies bedeutet aber auch eine extrem niedrige Wasserspeicherfähigkeit und damit einen erhöhten Pflegeaufwand, wie z. B. tägliches Gießen in trockenen Sommermonaten. Für den Bereich Sportrasen gibt es übrigens auch eine eigene Norm (ÖNorm B 2606-1) und ich empfehle jedem Sportplatzbauer, diese Norm auch einzuhalten. Im Bereich Filter- und Versickerungsbecken wird häufig eine ähnliche Mischung vorgeschrieben, wobei auch hier das Hauptaugenmerk auf die Wasserdurchlässigkeit gelegt wird.

Eingesperrte Erden
Erde 2a smalWenn eine Freilanderde in einen Trog oder Blumentopf gefüllt wird, dann wird diese innerhalb weniger Wochen hart wie Beton und ein entsprechendes Wachstum der eingesetzten Pflanzen ist nicht mehr möglich. Wenn kein Kontakt mit dem Unterboden vorliegt, muss die Erdmischung künstlich mit Struktur angereichert werden. Je nachdem, wie lange die Erde stabil sein muss, kann man sich dann für organische oder für mineralische Strukturträger entscheiden. Organische Zuschlagstoffe (wie z. B. Holzfasern, Spelzen, Kokosfasern etc.) haben den Vorteil, dass das spezifische Gewicht der Erde reduziert wird. Sie eignen sich aber nur für kurze Vegetationszeiten bis maximal ein Jahr.

Wenn es sich um Dauerbepflanzungen handelt, dürfen nur mehr ausschließlich mineralische Strukturträger wie z. B. Ziegelsplitt, Leca, Bims oder Schotter bzw. Kies eingesetzt werden. Die organischen Strukturträger verlieren nämlich aufgrund des Verrottungsprozesses zunehmend an Wirksamkeit und sind nach einem Jahr völlig verschwunden. Wenn Ziegelsplitt verwendet wird, empfehlen wir, ausschließlich Hartbrand (also Splitt aus Tondachziegel oder Klinkermaterial) zu verwenden, da nur dieses Material wirklich frostbeständig ist. Ziegelsplitt aus Mauerwerk ist spätestens nach der zweiten Frostperiode verschwunden bzw. aufgelöst. Typische Vertreter in diesem Bereich sind Blumenerden, Trogerden und Dachbegrünungsmischungen.

Sondermischungen
Der Fantasie sind in diesem Bereich keine Grenzen gesetzt und ich möchte hier nur einige Beispiele anführen, die sich in der Praxis bereits etabliert haben, und zwar die torffreie Moorbeeterde, Hochbeeterden und „Feinsubstrat Skeletterde“:

  • Die torffreie Moorbeeterde wird nur von sehr wenigen Unternehmen angeboten, da für die Herstellung eines dafür notwendigen sauren Kompostes sehr viel Know-how erforderlich ist. Es wird dabei die richtige Menge an Schwefelblüte in den Kompostierungsprozess eingesetzt, um das im Rohstoff enthaltene Kalzium zu Gips umzuwandeln und damit zu neutralisieren. Mit dieser Methode kann jeder gewünschte pH-Wert eingestellt werden. Dieser reduzierte pH-Wert (für eine Moorbeeterde beispielsweise pH 4,5) bleibt auch stabil, so lange kein Kalk (beispielsweise über das Gießwasser) zugeführt wird. Diese Erde ist für die säureliebenden Kulturen Heidelbeere, Rhododendron und Azalleen absolut erforderlich. Alle anderen Pflanzen sind hinsichtlich des pH-Wertes nicht so empfindlich. Die derart sauer hergestellten Komposte werden dann nur mehr mit Quarzsand zur fertigen Erde abgemischt.
  • Die Herstellung von Hochbeeten hat in den letzten Jahren einen wahren Boom ausgelöst – ein Ende ist noch nicht in Sicht. Zur Befüllung der hergestellten Rahmen empfehlen wir einen lehmigen Sand und nicht, wie häufig beschrieben, den schichtweisen Aufbau mit organischem Materialien, um den Effekt des Hügelbeetes in das Hochbeet zu transferieren. Der Nachteil bei diesem schichtweisen Aufbau ist, dass sich die Erde aufgrund des Verrottungsprozesses setzt und jährlich nachgefüllt werden muss. Wenn die untere Schicht mit Sand gefüllt worden ist, kann man sich das ersparen. Wichtig sind die letzten 30 Zentimeter – hier sollte eine wirklich hochwertige, torffreie Hochbeeterde verwendet werden. Diese besteht in der Regel aus einem Qualitätskompost, Güteklasse A+ (geeignet für den biologischen Landbau) und einem lehmigen Sand. Derart aufgebaute und befüllte Hochbeete machen langjährig Freude und brauchen nicht ständig aufgefüllt zu werden. Da in den Hochbeeten meist Gemüse angepflanzt wird, sollten dafür nur Bioerden empfohlen werden.
  • Eine völlig neue Entwicklung gibt es bei der Pflanzung von Stadtbäumen. Dieses System wurde in 15-jähriger Arbeit von Björn Embren in Stockholm entwickelt und wird daher auch gerne als das „Stockholmer System“ bezeichnet. Die Erfahrung zeigt, dass Stadtbäume mittlerweile kaum mehr älter als 30 Jahre werden und dass sich Unfälle durch umgestürzte Bäume aufgrund der immer heftigeren Stürme häufen. Viele Bäume werden schon wenige Jahre nach dem Pflanzen krank und müssen mit einem hohen Kostenaufwand ersetzt werden. Gleichzeitig sind die Kanalsysteme häufig überlastet, weil in den Städten immer mehr Flächen versiegelt werden und man mit dem Abtransport des Wassers kaum mehr nachkommt.

Erde 2b smalAlle diese Probleme können mit dem Stockholmer System gelöst werden:
Es werden Baumgruben mit 15 bis 30 Kubikmeter ausgehoben und mit groben Steinen (100 bis 150 Millimeter) gefüllt (= „Skeletterde“). Nach dem Verdichten dieser Steine bleiben Hohlräume bestehen, die dann mit dem neu entwickelten Feinsubstrat aufgefüllt werden. An dieses Feinsubstrat, das etwa 25 Prozent des Gesamtvolumens ausmacht, werden höchste Anforderungen gestellt – es soll zumindest für 100 Jahre die Wurzeln mit Luft und Nährstoffen versorgen. Diese Anforderungen können nur durch eine Mischung von aktivierter Pflanzenkohle mit gewaschenem Quarzsand erfüllt werden. Es handelt sich dabei also um ein absolutes „High-Tech-Produkt“.

Dieses Substrat kann dann mit jedem Belag, inklusive Straße, Gehsteig oder Parkplätzen überbaut werden. Das Oberflächenwasser von Gehsteig, Straße oder den Dächern kann in diese Baumgrube eingeleitet werden (es gibt nur einen Überlauf in den Kanal) – man hat also einen enormen Pufferspeicher für Wasser geschaffen. Das wichtigste ist aber, dass sich die Bäume ungehindert auch unter die Straße ausbreiten können und überall die erforderlichen Nährstoffe sowie Luft und Wasser vorfinden. Die Bäume wachsen viel intensiver und gesünder, sodass auch eine deutlich höhere Lebensspanne erwartet werden kann.

Text & Fotos Gerald Dunst

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