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Exoten im Winterschlaf

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Palmen, Bananen, Feigen, Avocado – der Trend geht zu exotischem Flair im eigenen Garten. Unsere langen, kalten Winter verlangen den Exoten aber einiges ab. Mag. Sabine Watzer, Geschäftsführerin der Bio-Gärtnerei AustroPalm, hat Profitipps zur richtigen Überwinterung.

Exotische und mediterrane Pflanzen auf heimischen Balkonen und in Gärten liegen voll im Trend. Welche sind aus Ihrer Verkaufspraxis die beliebtesten Exoten?

Sabine Watzer: Generell Palmen, verschiedene Blütenpflanzen und sukkulente Pflanzen sowie Obstgehölze sind derzeit am beliebtesten. Wir sind spezialisiert auf Palmen – die Hanfpalme, die Europäische Zwergpalme, Washingtonia und Dattelpalmen zählen dabei zu den pflegeleichtesten und meist gekauften. Aber auch Obstgehölze sind im Trend – die Kunden wollen nicht nur Zier-, sondern auch Nutzpflanzen, die sie selber ernten können. Feige und Granatapfel im Topf gehören hier zu den Bestsellern.

Österreich liegt mit langen und oft kalten Wintern nicht in der ursprünglichen Klimazone dieser Pflanzen. Was ist bei der Auswahl von Exoten zu beachten?
Das wichtigste Kriterium ist der Überwinterungs-standort. Viele Exoten, wie z. B. Palmen, Yuccas, Feigen, Granatapfel, Chinesische Dattel oder Feigen ExotischePflanzen 2 Ret smal2können im Weinbauklima ausgepflanzt im Garten überwintern. Manche Pflanzen können auch im Topf im Winter draußen bleiben, wie etwa Yuccas, Minikiwi, heimische Obstgehölze, Wildobst und Beerensträucher. Nicht winterharte, laubabwerfende Topfpflanzen überwintern am besten an einem kühlen, frostfreien Ort und benötigen dabei kein Licht. Eher problematisch sind jene Pflanzen, die es im Winter kühl und hell mögen. Dazu zählen die meisten Zitruspflanzen. Viele Palmenarten, z. B. Washingtonia robusta, Europäische Zwergpalme oder exotische Obstgehölze, wie Kirschmyrte, Rosenapfel, Sapote, Avocado oder Guave, aber auch die beliebteParadiesvogelblume (Strelitza reginae) sind bezüglich der Überwinterungstemperatur sehr flexibel. Sie vertragen kühle und warme Temperaturen.

Von welchen Temperaturbereichen sprechen wir bei „warm“ und „kühl“?
„Warm“ heißt in dem Fall Zimmertemperatur. „Kühl“ bedeutet bis 12 Grad Celsius. Je wärmer ein Standort, umso mehr Licht benötigen die Pflanzen. Das Problem bei zu warmer Überwinterung ist oft eine erhöhte Schädlingsanfälligkeit. Ganz wichtig ist die Bewässerung: Generell muss man im Winter weniger gießen, also weniger häufig und mit geringerer Wassermenge. Wie viel Wasser die Pflanzen benötigen, ist abhängig vom Standort und der Topfgröße. Auf keinen Fall soll in der Untertasse Wasser stehen bleiben.

Am einfachsten zu pflegen sind also winterharte Exoten. Was ist in unseren Regionen möglich?
ExotischePflanzen 3 smalHier muss man auch zwischen Topf und Auspflanzen unterscheiden. Im Topf sind die Pflanzen generell empfindlicher, weil der Wurzelballen durchfrieren kann. Neben den vorher erwähnten Obstgehölzen sind sukkulente Arten, wie Yucca und Agave, sehr beliebt. Wer auf Nummer sicher gehen will, pflanzt aus. Die beste Pflanzzeit ist im Frühjahr, damit die Pflanzen bis zum nächsten Winter gut eingewurzelt sind. Hier muss man noch zwischen Pflanzen, die ausgepflanzt etwas Winterschutz benötigen, und jenen, die keiner weiteren Pflegmaßnahmen bedürfen, unterscheiden.

Wie sollte guter Winterschutz für exotische Pflanzen aussehen?
Manche Pflanzen, wie etwa immergrüne Gehölze oder alles, was von der Winterhärte her grenzwertig ist, wie zum Beispiel mediterrane Pflanzen oder auch winterharte Bananen, benötigen eine Mulchschicht. Sie schützt vor Austrocknung und gleichzeitig vor Durchfrieren des Bodens. Die Mulchschicht, am besten aus Stroh und Reisig, sollte mindestens 20 Zentimeter hoch sein. Nässeempfindliche Pflanzen müssen zusätzlich mit einem Regendach geschützt werden. Wir machen das recht einfach und seitlich offen. In jedem Fall ist es hilfreich, schon beim Anpflanzen für durchlässigen Boden zu sorgen, zum Beispiel ein Schotterbeet anzulegen. Manche Pflanzen, etwa immergrüne oder grenzwertig winterharte Pflanzen, müssen mit Winterschutzflies eingepackt werden. Hier ist es wichtig, luftdurchlässige Materialien zu verwenden.

Sollten vor dem Winter Schnittmaßnahmen erfolgen?
ExotischePflanzen 4 smalAlle Kübelpflanzen kann man vor der Überwinterung schneiden. Bei manchen ist allerdings im Frühling ein Nachschnitt erforderlich. Umtopfen sollte man vor dem Winter keinesfalls, weil die Pflanzen sich nicht mehr in der Wachstumsphase befinden und Winterruhe halten. Sonst besteht die Gefahr, dass der Topf zu lange feucht ist. Bei winterharten Pflanzen ist es ganz abhängig von der Art, ob und wann sie geschnitten werden. Bei empfindlichen Pflanzen, wie Feigen, ist es besser mit dem Schnitt bis nach dem Austrieb im Frühling zu warten. Grundsätzlich sind exotische Pflanzen nicht komplexer und aufwändiger als regio-nale. Wichtig ist nur eine kompetente Beratung zu Standort und Pflege. Damit kann sich jeder exotisches Flair in den eigenen Garten holen.

Mag. Sabine Watzer ist Absolventin der Universität Wien, Studienrichtung Genetik, Schwerpunkt Pflanzenzüchtung und Biosphärenpark Wienerwald Bildungspartnerin. Sie ist Geschäftsführerin der Gärtnerei AustroPalm, die im Jahr 2005 von ihr gegründet wurde. Der Schwerpunkt liegt in der Produktion von frosttoleranten Palmen, Yuccas, Agaven und Bananenstauden sowie exotischen Fruchtpflanzen und heimischen Obstgehölzen (Wildobst). Auf 1,2 Hektar findet man bei AustroPalm in Guntramsdorf/NÖ eine Auswahl von rund 10.000 Pflanzen, die zum Großteil selbst produziert werden. Nähere Informationen: www.austropalm.at

Viele exotische Pflanzen können mit minimalem Aufwand in unserem Klima gut überwintern.

Interview Birgit Tegtbauer | Fotos Birgit Tegtbauer, Sabine Watzer

 

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