Garten- & Landschaftsbau-Verband

Besondere Bedürfnisse

bewaesserungssaecke smalWarum brauchen Straßenbäume ein besonderes Substrat – genügt nicht auch guter Humus? DI Stefan Schmidt von der HBLFA Schönbrunn, Abteilung Garten und Landschaft, beantwortet diese und andere wichtige Fragen zu den Bedürfnissen von Stadtbäumen.

Natürlich wachsen Bäume am besten in möglichst ungestörtem Oberboden. Aber gibt es diese Situation in Stadtstraßen? Ein Blick auf eine durchschnittliche Stadtstraße zeigt, dass der „normale“ Baumstandort irgendwo eingekeilt zwischen Fahrbahn und Gehsteig liegt. Meist wird der Bereich auch noch als Trasse für Ver- und Entsorgungsleitungen genutzt. Wenig Raum für Wurzelentwicklung. Wie viel Wurzelmasse hat denn ein durchschnittlicher Stadtbaum? Hier gibt eine einfache Faustzahl Auskunft: Laut den Empfehlungen für Baumpflanzungen der FLL (2004) beträgt das Mindestvolumen für eine Baumgrube 12 Kubikmeter. Betrachtete man die Kronenentwicklung eines Baumes und geht von einem Kubikmeter Wurzelvolumen pro Quadratmeter Kronenprojektionsfläche aus, so übersteigt der Bedarf eines auch nur halbwegs gutgewachsenen Baums im Laufe seines Lebens dieses Angebot um ein Vielfaches.

Bodenwissen Boden setzt sich im Optimalfall aus 50 Prozent Feststoffen und 50 Prozent Porenvolumen zusammen. Davon wiederum nehmen Luftporen etwa die Hälfte des Porenraums ein, ein Viertel des Porenraums wird von pflanzenverfügbarem Wasser erfüllt, und das letzte Viertel ist nicht pflanzenverfügbares Wasser. Eine Baumgrube mit 12 Kubikmeter bietet dem Baum also 3.000 Liter Luft, 1.500 Liter pflanzenverfügbares Wasser und 1.500 Liter nicht pflanzenverfügbares Wasser. In so einem Boden findet der Baum alles was er zum Leben braucht.

Neben Straßen werden „normale“ Böden durch vielfältige Einflüsse verändert. Vibrationen, Verdichtung und nicht zuletzt Auftausalze sorgen dafür, dass das Porenvolumen auf 25 Prozent schrumpft. Davon nehmen die Luftporen weniger als 10 Prozent ein. Die 12 Kubikmeter Baumgrube hat nun nur noch 300 Liter Luft und 900 Liter pflanzenverfügbares Wasser. Das nicht pflanzenverfügbare Wasser ist gleichgeblieben, diese Poren können nicht mehr verdichtet werden.

Krieter und Malkus haben bereits vor 20 Jahren geschrieben, nachdem sie über 700 Bäume in 14 Städten untersucht hatten: „Straßenstandorte, die einen Naturstandort oder einen Baumschulboden simulieren, funktionieren nicht“.

Spezielle Lösungen Deshalb brauchen Bäume Substrate. Baumsubstrate bestehen aus einem stabilen, verdichtbaren, mineralischen Gerüst von Kantkörnern unterschiedlicher Fraktionen. Die Poren dazwischen können nicht mechanisch verdichtet werden. Sie bilden eine Struktur, die von Sand, Feinboden und organischem Material ausgefüllt wird, und die auf diese Art vor Verdichtung geschützt ist.
Die FLL und die ZTV-Vegtra-Mü geben für Deutschland seit vielen Jahren Empfehlungen für die Herstellung und Verwendung von Baumsubstraten. In Österreich hat die HBLFA Schönbrunn im Auftrag der Stadt Wien ein entsprechendes Substrat entwickelt, an dessen Verbesserung fortlaufend gearbeitet wird. Im Unterschied zu den deutschen Substraten versucht die österreichische Variante ausschließlich mit regionalen Straßenbaumaterialien und mit Stoffen, die im Bereich der Gemeinde Wien verfügbar sind, auszukommen.

Doch so gut das Substrat auch funktioniert, es löst nicht das Problem des fehlenden durchwurzelbaren Volumens. Hier muss im Bau von städtischen Verkehrswegen ein Umdenken erfolgen. Es ist unmöglich, den erforderlichen Wurzelraum für die Straßenbäume in drei mal drei Meter großen und 1,50 Meter tiefen Bauscheiben zu schaffen, wenn der Untergrund und die Seitenflächen für Bäume nicht besiedelbar sind. Und unsere hochverdichteten Tragschichten sind nicht durchwurzelbar, denn ihnen fehlt vor allem eines: ausreichende Luftporen (25 Prozent des Substratvolumens!). Moderne Verdichtungsgeräte sind dafür geschaffen, auch noch die letzte Luftpore aus dem Material zu verdrängen. Also muss der Straßenraum neu gedacht werden.

Überbaubare Baumsubstrate Die Lösung lautet „überbaubare Baumsubstrate“. Extrem hohe Verdichtungen von Dpr 102 Prozent sind nur im Tragschichtbereich erforderlich. Die Zone unter den Tragschichten ist mit Dpr 95 Prozent für Luftporen und Wasserporen und damit auch für Baumwurzeln nutzbar, ohne dass die Tragfähigkeit beeinflusst wird. Ja mehr noch, auf dies Art führt man Wurzeln in Tiefen, in denen die gefürchteten Schäden durch das Heben von Belägen nicht mehr auftreten. Alle Fahrbahnnebenflächen können auf diese Art als Wurzelraum für Bäume erschlossen werden. Alternativ kann das Wurzelwachstum auch in der Baumgrube selbst in die Tiefe gelenkt werden.

Wichtige Grundregeln Damit der Stadtbaum richtig wächst, ist neben dem Volumen auch auf die Qualität der Baumgrube zu achten. Dabei gilt die Aufmerksamkeit vor allem dem Baumgrubenboden. Wasser muss im Baumgrubenboden versickern können. Das ist mit einem einfachen Infiltrometer zu prüfen. Versickert kein Wasser, kann ohne zusätzliche Maßnahmen (Dränage/Durchbrechen der Stauschicht) auch kein Baum gepflanzt werden. Viele Straßenbäume im Wiener Raum vertrocknen nicht, sie werden von den Pflegenden ertränkt.

Beim Pflanzen des Baums gilt es weiterhin, die einfache Gärtnerregel zu beachten, dass Bäume auf keinen Fall tiefer gepflanzt werden dürfen als sie in der Baumschule standen. Das heißt, das Baumsubstrat – wir haben es einen Meter dick eingebaut – muss vorverdichtet werden. Am Ballen selbst muss geprüft werden, ob der Baum „überballiert“ wurde, und die Oberkante des Ballens gar nicht mit dem Wurzelansatz übereinstimmt.

Wie werden Bäume in Substrat gegossen? Auf keinen Fall mit eingebautem Gießschlauch und über die Hahnkappe. Lehmige Ballen in porenreichen Substraten trocknen sehr leicht aus, weil das Gießwasser am Ballen vorbei in den Untergrund rinnt. Die beste und einfachste Technik ist deshalb die Verwendung von Bewässerungssäcken (z. B. „Treegator“). Diese geben die erforderliche Wassermenge über kleine Löcher im Sackboden langsam ab und müssen nur gelegentlich nachgefüllt werden.

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