Garten- & Landschaftsbau-Verband

Ein Blatt sagt mehr als 1.000 Worte

Pflanzenschutz Schusterkaefer smalIdealerweise sollten alle Pflanzen perfekt ernährt, optimal mit Wasser versorgt und frei von Schädlingen und Pilzkrankheiten sein. Um dieses Ziel zu erreichen und dauerhaft zu sichern, müssen Düngung, Wasserversorgung, Schnitt und Pflanzenschutz bestmöglich aufeinander abgestimmt sein. Experte Clemens Mayer gibt wertvolle Tipps für gesunde Blätter.

Vorsorge ist besser als Nachsorge.
Eingeschleppte Schädlinge, wie der mittlerweile wohlbekannte Buchsbaumzünsler und altbekannte Pilzkrankheiten, wie der Mehltau, haben in den vergangenen Jahren massive Schäden verursacht. Deshalb ist korrekt durchgeführter Pflanzenschutz im Haus- und Kleingarten heute unverzichtbar zur umweltgerechten, nützlingsschonenden und wirksamen Bekämpfung von Schädlingen und Pilzkrankheiten. Oft ist es jedoch – nicht nur für Laien – schwierig, die Schaderreger richtig zu erkennen und die passende Methode zur Bekämpfung zu wählen. Fachkundige Gärtner und Pflanzenschutz-Berater stehen gerne mit Rat und Tat zur Seite und helfen dabei, die richtige Diagnose zu stellen und darauf basierend die optimale Pflanzenschutz-Strategie zusammenzustellen und durchzuführen.

Bild oben: Diese auch als Schusterkäfer bekannten Feuerwanzen beeinträchtigen ihre Wirtspflanze überhaupt nicht. Es handelt sich um Nützlinge, die leider immer wieder für Schädlinge gehalten werden, weil sie meist saisonal in großen Mengen auftreten.

So viel wie nötig – so wenig wie möglich. In der Regel kann fast jeder Schaderreger vorbeugend bekämpft werden. Pflanzenschutzmittel werden von Hobbygärtnern jedoch meist erst dann genutzt, wenn der Schaden bereits sichtbar ist. Umso wichtiger ist es, die richtige Diagnose zu stellen, denn falsch durchgeführte Behandlungen mit eventuell ungeeigneten Produkten können Nützlinge, den Anwender, Bienen und nicht zuletzt die betroffene Pflanze, selbst gefährden. Der Schlüssel zu umweltschonendem, wirksamen und nachhaltigem Pflanzenschutz liegt in optimaler und individueller Beratung.

rosenblatt smal„Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ ist eine Weisheit die fast jeder Mensch schon einmal gehört hat, aber um exakt herauszufinden, was mit einer bestimmten Pflanze nicht stimmt, ist ein Bild (Foto) oder eine Beschreibung – auch wenn sie noch so detailliert sein mag – meist nicht genug. Braune Flecken und weißliche Beläge dienen sehr häufig als Beschreibung für viele hundert verschiedene Schadfaktoren und sagen in der Regel wenig bis gar nichts über den Auslöser des Problems aus. Denn genauso unterschiedlich wie die Menschen sind auch ihre Vorstellungen von „kleinen braunen Flecken“ und „hellen eingerollten Blättern“.

Um eine korrekte Diagnose stellen zu können, muss man sich die befallenen Pflanzenteile direkt, persönlich, unvoreingenommen und vor allem sehr genau ansehen. Briefmarkenlupen oder Lupenbrillen sind unschätzbar nützliche Werkzeuge beim Betrachten befallener Pflanzenteile. Erst eine starke Vergrößerung lässt genaue und zuverlässige Aussagen über die Verursacher von Fraßstellen und Belägen zu.

Sehr oft entpuppt sich der vermutete Pilzrasen erst unter der Lupe als massiver Milbenbefall, welcher natürlich eine ganz andere Bekämpfungsstrategie erfordert. Dicke Stellen an der Rinde einjähriger Triebe werden oft erst bei näherer Betrachtung, als Komma-Schildläuse identifiziert und sollten rasch bekämpft werden. Die Ränder von Fraßstellen verdienen genauere Beobachtung mit einer Lupe, denn sie verraten häufig nicht nur welches Insekt seinen Appetit an der betroffenen Pflanze gestillt hat, sondern auch wie lange dies zurückliegt. Ebenso ist die Unterscheidung zwischen primärem (auslösendem) und sekundärem (nachfolgendem) Befall wichtig, um die geeignete Behandlung auszuwählen. Genaue Betrachtung, Erfahrung und Sachkunde bilden also die Grundlage für eine optimale Pflanzenschutzempfehlung.

Wenn der Schaden schon passiert ist, ist es umso wichtiger, den Neuaustrieb zu schützen und eine weitere Infektion zu verhindern. Zur Auswahl eines geeigneten Produkts sollte man unbedingt fachkundige Beratung einholen.

Bild unten: Die fachgerechte Anwendung von Pflanzenschutzmitteln ist auch essentiell zum Schutz der Bienen, dies gilt gleichermaßen für alle konventionellen und auch biologischen Pflanzenschutzmittel.

Pflanzenschutz Sonnenblume smalBio – die leider nicht allmächtige Alternative. Wie zuvor erwähnt, ist vorbeugen immer besser als nachsorgen, das gilt insbesondere wenn wir „biologische“ Pflanzenschutzmittel verwenden wollen. Seinen Garten biologisch zu bewirtschaften heißt nicht, einfach auf Düngung und Pflanzenschutz zu verzichten und der Natur ihren Lauf zu lassen. Das wäre Verwilderung, nicht Gartenpflege.
Bio-Gartenbau ist ein Konzept, das grundsätzlich darauf abzielt, ein naturnahes Gleichgewicht im Garten herzustellen, um dem Auftreten von Problemen vorzubeugen. Dazu gehört vorausschauende Düngung, richtige Pflanzenauswahl und auch der gezielte Einsatz  bestimmter Pflanzenschutzmittel. „Resistente“ Sorten sind zwar weniger anfällig für die üblichen Krankheiten, aber auch nicht unverwundbar. Eine gezielte bedarfsgerechte Düngung und vorbeugender Pflanzenschutz (dazu zählt auch das Ausbringen und Fördern von Nützlingen) sind unverzichtbar, um einen schönen Bio-Garten auf Dauer erfolgreich zu pflegen.

Zu vielen, aber nicht allen, konventionellen Pflanzenschutzmitteln gibt es für den biologischen Landbau zugelassene Alternativen. In einigen Fällen handelt es sich auch um Produkte, die sowohl im konventionellen, als auch biologischen Landbau zugelassen sind. Die biologischen Alternativen funktionieren, wie alle Pflanzenschutzmittel, nur bei korrekter, sachgerechter Anwendung.

Auch wenn auf der Verpackung groß „BIO“ steht, und fröhlich summende Bienen bessere Umweltverträglichkeit suggerieren, handelt es sich doch um vorsichtig zu verwendende Pflanzenschutzmittel. Für die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln – egal ob konventionell oder biologisch – gelten dieselben Grundregeln und Vorschriften, die unbedingt einzuhalten sind. Pflanzenschutzmittel dürfen nur entsprechend ihrer Indikationen eingesetzt werden. Eine Indikation ist, vereinfacht ausgedrückt, eine Anwendungsvorschrift, die genau beschreibt wie, wo, wann und in welcher Art eine Behandlung mit einem bestimmten Produkt durchzuführen ist.

Anwendungsvorschriften und deren Bedeutung. Die häufigsten zulässigen Einsatzzwecke und Dosierungen sind den Produkten grundsätzlich beigelegt (auf der Verpackung oder als Beipacktext). Alle zulässigen Indikationen zu sämtlichen in Österreich zulässigen Pflanzenschutzmitteln sind jederzeit
aktuell abrufbar unter: psm.ages.at. Unter der Adresse: www.ages.at, finden sich außerdem die Vorschriften zu verschiedenen Bio-Programmen und es können Konformitätsbestätigungen zu jedem im biologischen Landbau zulässigen Pflanzenschutzmittel ausgedruckt werden: www.infoxgen.com/produktsuche-biologisch.html.

Pflanzenschutzmittel haben in der Regel meist mehrere bis sehr viele Indikationen, die manchmal etwas verwirrend wirken können. Grundsätzlich geben sie aber exakte Anweisungen, wie das Produkt einzusetzen ist.

Diese Indikationen sind unbedingt exakt einzuhalten, denn sie sind nicht nur gesetzlich vorgeschrieben, sondern darüber hinaus der Garant für die Wirksamkeit des Produkts bei sachgerechter Anwendung. Die zulässigen Indikationen sind das Ergebnis langer und teurer Forschungen und Versuchsreihen, die optimale Wirkung bei größtmöglichem Umweltschutz sicherstellen. Daraus ergibt sich auch, dass Anwendungsweisen, Dosierungen und Einsatzorte, die nicht als Indikation aufgeführt sind, unzulässig sind. Ebenso dürfen ausschließlich Produkte mit gültiger österreichischer Registernummer eingesetzt werden.

Die Pflanzenschutzberater der Fachhändler (z. B. Lagerhaus Wiener Becken) informieren ihre Kunden gerne und unentgeltlich über die von ihnen vertriebenen Produkte und deren sachgerechte Anwendung. Für Gärtner und Fachhändler ist fundierte Beratung das beste Instrument zur Kundenbindung, denn ein zufriedener, gut beratener Kunde erweist sich meist auch als treuer Kunde.

Fachkundige Beratung – zufriedene Kunden. Eine nicht sachgerechte Anwendung von Pflanzenschutzmitteln kann schwerwiegende Folgen für die betroffene Pflanze, die Umwelt, die Nerven und den Geldbeutel des Gartenbesitzers haben.

Drei überdosierte Anwendungen mit teurem Breitband-Fungizid erzielen nicht die erwünschte Wirkung wenn der eigentliche Verursacher kein Pilz, sondern ein im Boden schlafender Käfer ist. Statt der ersehnten Heilung werden Umwelt und das Konto nur unnötig belastet.

Fundierte Beratung gibt dem Anwender die Sicherheit, rechtlich konform, wirksam und umweltgerecht Pflanzenschutz durchführen zu können. Die richtige pflanzenbauliche Diagnose hat schon unzähligen Gartenbesitzern viel Geld, Zeit und Nerven erspart und ihnen nachhaltig Freude an ihrem Kleinod gesichert. Durch gezielte, bedarfsgerechte Anwendung wird der Natur und ihren Bewohnern unnötige Belastung erspart und effektiv geschädigten Pflanzen geholfen.

Optimaler Pflanzenschutz beginnt mit der richtigen Diagnose, und hierbei sagt ein Blatt mehr als tausend Worte.

TEXT & FOTOS CLEMENS MAYER (Clemens Mayer ist Fachberater im Raiffeisen Lagerhaus Wiener Becken GmbH am Standort Guntramsdorf/NÖ.)

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