Garten- & Landschaftsbau-Verband

Gründächer bringen Solaranlagen auf Touren

Musterhafte Dachbegruenung smalImmer mehr Unternehmen und Hausbesitzer begrünen ihr Flachdach und statten es gleichzeitig mit einer Solaranlage aus. Neue Systemlösungen mit der perfekten Abstimmung von Solar-Technik und Begrünung machen die in vielerlei Hinsicht vorteilhafte Kombination problemlos möglich.

Versuche, Flachdächer zu begrünen und mit Solaranlagen zu kombinieren wurden schon früher immer wieder unternommen. Doch erst seit relativ kurzer Zeit konnten sich perfekt abgestimmte Systemlösungen, die ausgereift, pflegeleicht, kostengünstig, langlebig, effizient und sicher sind, durchsetzen. „Es ist schon vorgekommen, dass Pflanzen zu stark gewachsen sind, dadurch Schatten auf die Solarpaneele geworfen wurde und die Pflanzen zudem unter zu niedrigen Aufbauten nur sehr aufwändig gepflegt werden konnten. Auch die nachträgliche Durchdringung der Dachhaut durch die Montage von Solaraufbauten war immer ein Gefahrenherd. Alle diese Probleme sind aber nun beseitigt. Die Erfahrung mit vielen erfolgreich durchgeführten Projekten – vor allem in Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz – bestätigen dies“, erklärt DI Vera Enzi. Die Sprecherin des österreichischen Verbands für Bauwerksbegrünung, in dessen Reihen sich sowohl Hersteller entsprechender Materialien als auch Komplettanbieter befinden, ist sich sicher, dass der europäische Trend zu Dachbegrünungen in Kombination mit Solaranlagen auch in Österreich ankommt.

Dachbegrünung produziert mehr Energie Es gibt viele gute Gründe sich schon in der Planungsphase von Neubauten zwecks ökologischem Ausgleich, Energieerzeugung und Regenwasserrückhalt die Installation einer Solaranlage und die gleichzeitige Begrünung des Flachdaches zu überlegen. Der wichtigste ist, dass die Dachbegrünung den Leistungsgrad einer Photovoltaikanlage deutlich erhöht. Laut Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kann dadurch im Sommer bis zu 20 Prozent mehr Energie produziert werden. Das kommt daher, weil die Leistung einer Solaranlage ab einer Betriebstemperatur von 25 Grad Celsius mit jedem zusätzlichen Grad um 0,5 Prozent sinkt. Im Gegensatz zu beispielsweise Kies reflektieren Pflanzen das Sonnenlicht aber kaum und heizen die Solaranlage um bis zu
40 Grad weniger auf.

Dachbegrünungen sind umfassend nützlich Die Pflanzendecke eines begrünten Daches wirkt sich aber nicht nur positiv auf die solare Stromerzeugung, sondern durch die Hitzeabschirmung im Sommer und Wärmedämmung im Winter auf die gesamte Energiebilanz und somit auch Rentabilität des Hauses aus. Sie bietet zudem wertvollen Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten, erhöht die Lebensdauer des Daches, bindet Staub und filtert Schadstoffe. Weiters speichert ein Gründach Niederschlagswasser, mindert dadurch Abflussspitzen und entlastet das Kanalsystem. Wie hoch diese Entlastung sein kann, zeigt das Beispiel eines 2015 auf einem Gesundheitszentrum im niederländischen Brunssum gebauten 4.000 Quadratmeter großen Solar-Gründaches. Dort kam ein Gründach-System zum Einsatz, das ca. 15 Liter Wasser pro Quadratmeter speichern kann. Zusätzlich wurde unterhalb der Begrünung ein Regenwasserrückhaltebecken mit einem Speichervermögen von rund 80 Liter pro Quadratmeter geschafften. Nur zum Vergleich: Ab etwa 17 Liter Niederschlag pro Quadratmeter und Stunde spricht man von einem Starkregen.

Durchdringungsfreier Einbau möglich Bedenken hinsichtlich der Beschädigung der Dachhaut durch die Montage der Solaraufbauten unterhalb des Gründaches und damit verbundene Folgekosten zur Auffindung und Reparatur von Schäden entkräftet VfB-Sprecherin Enzi durch die Möglichkeit, die Solaranlage durchdringungsfrei einzubauen. Bei intelligenten Systemen kann der Begrünungsaufbau nämlich gleich als notwendige Auflast für den windsogsicheren Halt der gesamten Anlage genützt werden. Übrigens: Auch auf bereits vorhandene Dachbegrünungen können mit nur geringen Adaptionsarbeiten Solaranlagen nachträglich montiert werden. Die Abräumung der alten Begrünung ist dafür zumeist nicht notwendig.

TEXT: GÜNTER BOTTESCH FOTOS: NATHALIE BAUMANN, VFB/OPTIGRÜN

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