Garten- & Landschaftsbau-Verband

Maschinen und Geräte in der Baumpflege

Maschinen Baumpflegeausruestung

„Wer einen gewissen Anspruch an Arbeitsqualität hat, wird über kurz oder lang nicht umhin kommen, sich mit den technischen Hilfsmitteln zu beschäftigen, die in der Baumpflege gute Dienste leisten“. Karl Kramler ist erfahrener Arborist und berichtet von seinen Erfahrungen mit den in der Baumpflege eingesetzten Maschinen und Geräten.

Grundsätzliches zu Beginn:
Die Leistungsfähigkeit vieler eingesetzter Geräte in der Baumpflege wird häufig nicht von der Leistungsfähigkeit des Geräts selbst, sondern der des Bedienungspersonales limitiert. Ich bin auch nicht der Überzeugung, dass ein bestimmter Hersteller eines motorgetriebenen Geräts der entscheidende Faktor für die Auswahl sein sollte, sondern vielmehr der gute Service und die Beratung in zeitlicher und räumlicher Nähe. Denn was nutzt die beste Motorsäge, wenn die nötigen Ersatzteile nicht lagernd sind? Oder die aufgetretenen Mängel des Arbeitsgeräts nicht zeitnah vom kompetenten Mechaniker gefunden und behoben werden können? Die Kosten für Stehzeiten, Wegzeiten sowie Aufwendungen für eine Reparatur überschreiten schnell den Kaufpreis von Motorkleingeräten. In jedem Fall ist es lohnend, ein Ersatzgerät bei der Hand zu haben. Da ich in meiner Berufslaufbahn schon an die zehn Motorsägen verschiedener Hersteller verschlissen habe, kann ich nur bestätigen: Kaputt gehen sie alle, früher oder später.

Strom, Akku oder Motor?
Die Frage ob elektrisch, akku- oder motorbetrieben gearbeitet werden soll, hängt stark von den Rahmenbedingungen ab. Wenn die Entwicklung der Akkus im selben Tempo wie in den letzten Jahren voranschreitet, werde ich in zehn Jahren sicher größtenteils mit Akkugeräten arbeiten. Derzeit überzeugt mich das Leistungsgewicht noch nicht. Die angebotenen Geräte sind teilweise noch nicht ausbalanciert, weil in bestehende Konzepte einfach ein Akku dazu gepackt wurde. Mitunter eine Nebenwirkung der relativ schnellen Änderung in der Akkutechnologie. An die Vorteile der elektrisch betriebenen Geräte gewöhnt man sich aber sehr schnell. Kein Ziehen am Startseil, leiser Lauf, weniger Vibrationen, keine Abgase. Daraus ergibt sich schon heute aus arbeitsergonomischer Sicht eine sehr gute Ausgangslage. Ich persönlich bevorzuge eine kleine und leichte Motorsäge. Auch wenn eine etwas größere Säge einfach mehr Power hat und man gefühlt um einiges schneller ist. Aber wie viel schneller ist man wirklich? Bei schwereren Geräten ergeben sich auf Dauer vielerlei körperliche Probleme und Überlastungssymptome. Und um die Ausfallszeit von einer Woche durch etwas mehr Schnittleistung der Säge hereinzuarbeiten, bedarf es wohl vieler Schnitte.

Sicher hinauf
Maschinen Faellung mit Hubschrauber smalBevor ich mich den technischen Hilfsmitteln im Detail widme, sei ein wichtiges Thema angesprochen. Da Bäume die Angewohnheit haben, etwas höher zu wachsen, befinden sich die zu erledigenden Arbeiten meist an Orten, die nicht ohne Höhenzugangstechnik zu erreichen sind. Das einfachste Mittel um hinauf zu kommen, stellt – mit all seinen Vor- und Nachteilen – sicher eine Leiter dar. Für mehr Komfort und Sicherheit bei Baumschnittarbeiten wird eine Vielzahl an Hubarbeitsbühnen, Arbeitskörben auf Frontladern, Teleskopladern und Kränen aller Art angeboten. Bis hin zu Hubschrauber basierendem Freischneiden von Stromleitungstrassen. Eine weniger maschinenabhängige aber dennoch sehr gute und auch verbreitete Arbeitsvariante stellt die Seilklettertechnik dar.
Eines steht fest: Sicherheit muss in der Baumpflege Vorrang haben. Denn in den Statistiken der AUVA mit tödlich endenden Unfällen stechen zwei Kategorien besonders hervor: Höhenarbeiten und Motorsägearbeiten. Die Baumpflege vereint diese beiden Tätigkeiten in seinem Berufsbild. Die passende Ausrüstung, die richtige Höhenzugangstechnik sowie laufende Aus- und Weiterbildung sind deshalb lebensnotwendige Pflichten in der Baumpflege.

Die persönliche Ausrüstung
Deshalb steht in der Werkzeug-Grundausstattung jedes Baumpflegers bei der Durchführung von Schnittarbeiten an erster Stelle die persönliche Schutzausrüstung: Dazu gehören Helm, Augenschutz, Gehörschutz und Schnittschutz. Als Arbeitsgeräte Kettensägen und Stangensägen in verschiedenen Größen, Handsägen mit grober und feiner Bezahnung. Außerdem Abseilbremsgeräte, Auf- und Abseilwinden für das gesicherte zu Boden Bringen des Schnittmateriales, inklusive dazugehörigem Seilmaterial, Umlenkrollen und Karabinern. Der Bedarf der Ausrüstung ist objektabhängig, daher erhebt diese Aufzählung keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Weitere Geräte, die im Bereich der Baumpflege Anwendung finden:
Zur eingehenden Untersuchung der Bruchsicherheit von Schadstellen und zur Restwandstärkenmessung werden hauptsächlich Schalltomographen und Bohrwiderstandsmessgeräte verwendet. Zur Erhebung der Standsicherheit stehen Geräte für Zugversuche zur Verfügung. Zur Verbesserung von Baumstandorten gibt es Injektoren, die mit Druckluft oder Flüssigkeiten Bodenverdichtungen aufbrechen und mit deren Hilfe Boden- und Pflanzenhilfsstoffe eingebracht werden können.

Baumpflegearbeiten ohne Höhenzugangstechnik
Bei der Jungbaumpflege und dem Lichtraumprofilschnitt besteht häufig die Möglichkeit, diese Arbeiten vom Boden aus mit Hilfe einer Stangensäge oder eines Stangenzwickers zu erledigen. Gerne werden auch Hochentaster eingesetzt. Diese konnten mich allerdings noch nicht überzeugen. Weniger ist die Schnittleistung das Problem, sondern die Arbeitsqualität, und die zu erreichenden Höhen. Die Schnittqualität besteht unter anderem auch in dem Winkel der Schnittfläche zum verbleibenden Ast. Da diese Geräte meist nur Gestängelängen von vier Metern aufweisen und das Lichtraumprofil gemäß StVO 4,5 Meter beträgt, arbeitet man fast immer am Limit der maximalen Arbeitshöhe. Und direkt unter dem abzusägenden Ast möchte man ja auch nicht stehen. Sicherlich gibt es Einsatzbereiche für diese Geräte, in der qualitativen Baumpflege konnte ich jedoch noch keine finden. Da lohnt vielmehr die Investition in eine gute Stangensäge mit einer Gestängelänge um die sechs Meter. Damit lassen sich aufgrund der leichteren Bauweise auch schräg angesetzte Schnitte durchführen, und der nötige Sicherheitsabstand ist auch zu gewährleisten. Die Schnittränder fransen zudem nicht aus und werden glatter.

Baumpflegearbeiten mit Höhenzugangstechnik

  • Arbeiten mit technischen Aufstiegshilfen: Generell gilt für alle Arbeitskörbe: Je kleiner desto besser. Ich finde es am angenehmsten, wenn der Arbeitskorb so klein ist, dass man nicht umfallen kann. Bei entsprechender Arbeitstechnik gibt es nur in den seltensten Fällen einen Grund zu zweit im Korb zu sein. 0,7 Meter im Durchmesser reichen somit aus meiner Sicht vollkommen aus. Leider sind Geräte mit Arbeitskörben dieser Größe nur schwer zu bekommen. Auch sollte das Gerät der Baumgröße angepasst sein, denn je größer die Reichweite desto länger der Grundarm des Teleskoparmes.
  • Es kann und darf nicht passieren, dass der Baumpfleger sich ein Loch in den Baum schneiden muss, um mit dem Arbeitskorb an seinen Arbeitsplatz in der Baumkrone zu kommen.
  • Hubarbeitsbühnen: Bewährt haben sich Teleskopbühnen. Diese sind am planbarsten bei der Positionierung und der Arbeitsdurchführung. Die Bühne selbst zu steuern hat den Vorteil exakt am Arbeitsort zu landen. Das erspart viele unangenehme Arbeitshaltungen beim Sägen und Kommunikationsprobleme mit dem Bediener. In ebenem Gelände sind fahrbare Geräte eine gute Option. LKW-aufgebaute oder PKW-Anhängerbühnen müssen aufgestellt werden und sind während der Arbeit unverrückbar. Gelenkbühnen sind bei Arbeiten in Baumkronen kaum sinnvoll zu gebrauchen.
    Scherenbühnen besitzen im Regelfall keine seitliche Reichweite und sind somit nur selten einzusetzen. Raupenbühnen besitzen eine gute Geländegängigkeit und sind aufgrund der großen Auflagefläche wurzelschonend wegen der geringeren Bodenverdichtung. Im Regelfall gibt es Steckdosen mit 220 Volt im Arbeitskorb.
  • LKW-Kran mit Arbeitskorb: Wer schon einmal in einem solchen Korb gearbeitet hat, wird den Luxus einer Hubarbeitsbühne mit automatischer Korbnivellierung zu schätzen wissen. Der Vorteil der LKW-Kräne liegt in der universelleren Verwendung des Kranes an sich und in der seitlichen Reichweite, die immer der Kranreichweite entspricht. Ich persönlich verwende diese Höhenzugangstechnik nur sehr ungern. Arbeitskörbe, hängend an Baukränen, Schwerlastkränen etc., sind für die Baumpflege im Regelfall ungeeignet.
    Sind Hubarbeitsbühnen sicher? Ja, sie sind sicher. Kann man Hubarbeitsbühnen fehlbedienen? Ja. Doch Hauptursache von Sicherheitsproblemen ist wie fast immer menschliches Fehlverhalten.

Aus meiner Erfahrung kann ich von folgenden Fällen berichten:

  • Ein vermutlich elektrisches Problem führte dazu,dass bei jeder Bedienung eines Steuerhebels auch die Korbnivellierung abgesenkt wurde. Der technische Mitarbeiter des Bühnenverleihers konnte das Problem nicht beheben. Nachdem die Ausrüstung für das Abseilen aus dem Arbeitskorb meinerseits vorhanden ist, war das die sicherste Lösung die Bühne zu verlassen.
  • Die druckverteilenden Unterlegeplatten sind zu verwenden. Leider waren sie in diesem Fall aus hartem Kunststoff und somit (bei Trockenheit) rutschig genug, dass die gesamte LKW-aufgebaute Bühne während der Arbeit einfach wegrutschte.
  • Durch eine defekte Ölleitung mit Ölverlust wurde ein Abstützungs-Hydraulikzylinder eingefahren und die gegenüberliegende Abstützung hatte schon ca. 40 Zentimeter Luftstand. Das Rückschlagventil, das genau dieses verhindern sollte, wurde in der Folge beim Kundenservice geprüft und hat einwandfrei funktioniert. Somit war genau diese Situation technisch angeblich unmöglich. Eigentlich. Denn sie ist passiert.
  • Ich werde sicherlich nicht mehr mit einer selbstfahrenden Bühne, die keine Abstützung für die Arbeit benötigt, über einen Randstein fahren. Macht man das in ausgefahrenem Zustand in 30 Metern Höhe, kommt man mit Festhalten alleine sehr an die Grenzen.

Baumpflegearbeiten mit Seilklettertechnik
Diese Form der Höhenzugangstechnik ist, sofern der Baum kletterbar ist (sprich: nicht abgestorben) universell einsetzbar. Sie erfordert die geringsten Investitionen in Maschinen und Geräte, sie ist baumschonend, standortschonend, geländeunabhängig und baumhöhenunabhängig. Allerdings erfordert die Seilklettertechnik mit Abstand die höchsten Kenntnisse und entsprechende Ausbildungen.

Auf die mitunter sehr umfangreiche Ausrüstung möchte ich an dieser Stelle im Detail nicht eingehen. Grundsätzlich besteht die Ausrüstung aus einem Wurfset zur Installation des Aufstiegsseiles im Baum, dem Klettergurt mit Kurzsicherung, Helm, Schutzbrille, entsprechenden Schuhen und Kleidung, einem Aufstiegs-System um in dem Baum aufzusteigen, einem Kambiumschoner zum Schutz der Rinde des Baumes vor der Reibung des Kletterseiles, dem Kletterseilsystem für die Durchführung der Pflegearbeiten bzw. Schnittmaßnahmen im Baum sowie einem Rettungsset für den Notfall. Und natürlich braucht es den Kollegen, der im Notfall auch aus dem Baum Bergen kann.

Das ist ein kleiner Überblick über die Möglichkeiten zur Durchführung von Baumpflegemaßnahmen und die häufig verwendeten Maschinen und Geräte mit ihren Vor- und Nachteilen.

Text & Fotos Karl Kramler

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