Garten- & Landschaftsbau-Verband

Mediterrane Pflanzen in unseren Breiten

ThinkstockPhotos 99441848 smal2Wer denkt nicht an Freizeit, Entspannung, mildes Klima und viele Sonnenstunden wenn von mediterranen Pflanzen die Rede ist. Allerdings ist es nicht ganz einfach diese Pflanzen zur optischen Urlaubsverlängerung im eigenen Heim zu kultivieren. Wissenswertes zu Herkunft und Bedürfnissen mediterraner Pflanzen.

Rosmarin, Thymian und Salbei kennt jeder. Sie lassen als Gewürze Urlaubsfeeling aufkommen und finden sich in fast jeder Kräuterschnecke wieder. Lavandula erfreuen unseren Geruchssinn, wirken als Badezusatz entspannend, sind aber auch in sonnigen, trockenen Beeten beliebte Eyecatcher und Bienenweiden. Bei den meisten Gewächsen wird es wegen der hiesigen kalten Wintermonate aber schon komplizierter.

Beliebte Hartlaubgewächse:
Zitrusgewächse begeistern durch ihren wohlriechenden Blütenduft und die Früchte in unterschiedlichen Reifegraden. Von den zahlreichen Arten sind uns aber nur wenige geläufig. Agrumen gehören zur Gattung der Rutaceae (Rautengewächse), für die Zucht interessant ist dabei die Art der Zitrusfrucht (Zitronen, Orangen, Grapefruit, Limette, ...). Kumquat, eine Fortunella-Art, auch Poncirus mit nur einer laubabwerfenden Art oder Severinia mit buchsähnlichen Blättern zählen zu den Raritäten.

Aufzeichnungen belegen, dass erst im 16. Jahrhundert Agrumen durch die Großherzöge Medici in Florenz kultiviert wurden und anschließend nur in Herrscherhöfen zu finden waren. Sie hatten damals in erster Linie eine ornamentale Bedeutung. Heute gibt es unzählige Sorten, wobei diese unterschiedliche Verwendungen finden: Z. B. wird bei Citrus medica L. „Digitata“ die dicke Schale kandiert, die ätherischen Öle finden unter anderem im Tee (Bergamotte) oder zur Herstellung von Limoncello Anwendung.

Die idealen Lebensbedingungen für alle Zitruspflanzen in unseren Breiten sind viel Sonne und wenig Wasser. Sowie eine art- und fachgerechte Überwinterung. Das Winterquartier muss hell und kühl sein, wobei Temperatur und Beleuchtung in einem ausgewogenen Verhältnis stehen müssen. Ein wesentlicher Faktor ist auch die regelmäßige Düngung.

Zu den beliebtesten Gewächsen gehört die Olive.
Oliven dürfen auf keiner Antipasti-Platte fehlen. Ob grüne oder schwarze Oliven – die einfach gesättigten Fettsäuren sind gesund und werden als Früchte oder Öle verzehrt. Das Holz des Olivenbaums zählt zu den wertvollsten und wird nur für edle Werkstücke verwendet.

Um gut zu gedeihen hat es der Olivenbaum gerne vollsonnig und warm, Hitze verträgt er ohne Probleme. Überwintert werden sollte er sehr hell bei fünf bis zehn Grad Celsius. Mit warmen „Füßen“ und geschützt vom trockenen Winterwind könnte er auch draußen bleiben.

ThinkstockPhotos 490069658 smalDie Olive ist von Natur aus immergrün. Ein Laubabwurf deutet auf wiederholte Trockenheit oder zu dunklen Stand hin. Ab März/April erfolgt der Neuaustrieb. Beim Pflanzen oder Umpflanzen sollte nur hochwertige Kübelpflanzerde verwendet werden, die sich durch grobkörnige Anteile auszeichnet. Niedrige Humusanteile garantieren die Speicherung von Wasser und Nährstoffen. Wichtig ist eine regelmäßige Düngung des Olivenbaums.

Wenig bekannt sind Orangenblumen. Durch Züchtung konnte ein bis zu 250 Zentimeter hochwachsender Strauch auf den mitteleuropäischen Markt gebracht werden, der einen aromatischen Orangenduft verbreitet, immergün und akzeptabel winterhart ist. Es handelt sich hierbei um die Orangenblume.

Choisya x dewitteana entstand durch Kreuzung der Mexikanischen Orangenblume (Choisya ternata) mit jener der schon in Großbritannien verbreiteten Gartensorte, Choisya dumosa var. arizonica. In Sichtungen ist die Sorte „Aztec Pearl“ als die Beste hervorgegangen.

„Aztec Pearl“ wirkt als immergrüner Strauch durch sein Laub luftig und leicht. Die Ende April/Anfang Mai erscheinenden Blüten, bis drei Zentimeter groß, sind elegant und prächtig. Der zarte zitrusähnliche Duft wird sowohl von den Blüten als auch von Blättern und Trieben verströmt, spätestens jedoch bei Berührung gut wahrgenommen. Choisya x dewitteana „Aztec Pearl“ lässt sich gut in Staudenbeeten oder Strauchgruppen kombinieren, wobei sie in Terrassen- oder Wegrandnähe ihren primären Platz finden sollte. Sie hat einen vitalen Wuchs und eine sehr gute Winterhärte (WHZ 7a und darunter).

ThinkstockPhotos 501047737 smalGute Eigenschaften sind Kalktoleranz, Krankheitsresistenz und unproblematische Umpflanzung älterer Pflanzen sowie gute Schnittverträglichkeit – bei Rückschnitt nach dem ersten Flor bilden sich nochmals Blüten. Grundsätzlich werden sonnige Standorte bevorzugt, sie wächst aber auch in schattigen Lagen, pralle Sonne und windexponierte Lagen sollten trotz allem gemieden werden. Staunässe und sehr konkurrenzstarke Pflanzen vertragen sie nicht, gut eingewurzelte Pflanzen haben jedoch kein Problem mit Trockenperioden. Die leichte Brüchigkeit der Triebe sollte in schneereichen Lagen beachtet werden, hier sollte man auf eine Pflanzung verzichten.
Es gibt auch zahlreiche andere Sorten, darunter auch gelblaubige, diese sind allerdings nicht so widerstandsfähig.

Hartlaubvegetation Diese, in den winterfeuchten Subtropen (mediterranes Klima) vorkommenden bis heimischen Gewächse zeichnen sich durch kleine, steife, langlebige bis immergrüne Blätter (sklerophyll) aus. Sklerophyll leitet sich vom stark entwickelten Sklerenchym (Festigungsgewebe) der Pflanzen ab, welches für die Härte bzw. Steifheit der Blätter verantwortlich ist.

Die Steineiche (Quercus ilex L.) ist etwa ein Baum dieser Typform. Sowie Myrten, Pistazien, Rosmarin, Baumheide, Lorbeer, Oliven und Korkeichen. Sie weisen über Laub und oder Stamm großen Verdunstungsschutz auf. Auch ein großräumig ausgedehntes Wurzelsystem ist charakteristisch für manche dieser Pflanzen. Die vorherrschende vegetationsbestimmende sommerliche Trockenperiode zeigt hier die Anpassung der Vegetation an jenen physiognomischen Aspekt.

Olivenbaum Vorkommen wikipedia smalDie mediterrane Hartlaubvegetation liegt im Grenzbereich zwischen den Subtropen und der gemäßigten Zone, etwa zwischen dem 30. und 40. Breitengrad, wobei eine Beschränkung des Vorkommenes auf die Westseiten der Kontinente zu beobachten ist. Die weltweit größten Hartlaubvegetationsregionen sind das Mittelmeergebiet, Südwestaustralien, Kalifornien, Mittelchile und das Kapland. Sie zählen auch zu den artenreichsten der Erde. Durch die zunehmende Bevölkerung befinden sie sich leider schon seit langer Zeit unter großem Nutzungsdruck. Dies gilt insbesondere für den Mittelmeerraum. Holzschlägerung, Beweidung und agrarische Nutzung treibt sie in Degradationsstadien, so genannte Garigue, wo überwiegend niederwüchsige Arten, wie Rosmarin, Lavendel, Thymian und Salbei vorgefunden werden.

Wissenswertes zum Mittelmeerklima Das Mittelmeerklima oder mediterrane Klima beschränkt sich nicht nur auf den Mittelmeerraum. Auch andere Weltgegenden stehen unter dieser Klimate, allerdings nimmt der Mittelmeerraum mit 50 bis 60 Prozent die größte Fläche ein. Dieser Klimatyp heißt auch Winterregenklima der Westseiten.

Er kommt dadurch zustande, dass die Region im Grenzgebiet zwischen der Kalmenzone der Subtropen (Rossbreiten) und der Westwinddrift der gemäßigten Breiten liegt und gegen Norden – bis auf wenige Einfallsschneisen – gegen polare Kaltluft abgeschirmt ist, gegen Süden zur Sahara hin aber weitgehend offen ist. Das Azorenhoch bestimmt im Sommer das Geschehen, da hierbei das Wüstenklima nach Norden wandert. Im Winter stellt sich ein umgekehrter Effekt ein: Das Hoch verlagert sich meist nach Süden und lässt den Mittelmeerraum im Einflussbereich der über dem Atlantik regengesättigten Westwinde. Nur selten können polare Kälteeinbrüche oder kontinentale Winterhochs diese Gebiete beeinflussen, wenn ja wird Schnee bis an die Südküsten gebracht.

Der Mittelmeerraum hat ein autochtones Aktionszentrum. Die typische Zugbahn der Zyklone des Mittelmeertiefs können aus dem atlantisch-westeuropäischen Raum von nordeuropäischen Hochs oder polaren Nordwinden nach Süden abgedrängt werden und daher nördlich oder südlich der Pyrenäen in den Mittelmeerraum ziehen oder sich im westlichen Mittelmeer bilden. Dort können sie sich immer wieder mit Wasser anreichern, was in Folge reichlichen Regen im Winter bringt. Teils lösen sie sich über Italien und der Adria wieder auf, teils ziehen sie über den Balkan Richtung Schwarzes Meer oder in den östlichen Mittelmeerraum bis in den Nahen Osten und selten Richtung Zentralosteuropa. Mittelmeertiefs gibt es zu allen Jahreszeiten, jedoch meist im Frühjahr und Herbst.

Charakteristisch für das Mittelmeerklima sind milde, regenreiche Winter und heiße, trockene Sommer. Das Verbreitungsgebiet des Olivenbaums fällt mit der 5-Grad-Januarisotherme zusammen, das entsprechende Klima wird auch als Ölbaumklima bezeichnet. Die Grenze heißt Ölbaumgrenze. Die höheren Lagen sind generell kühler (heißester Monat unter 22 Grad Celsius) – hier wird von Erikenklima gesprochen.

Unterschiede in den Klimaausprägungen bestehen aber nicht nur zwischen Tief- und Hochlagen, sondern auch zwischen nördlichem und südlichem, westlichem und östlichem Mittelmeerraum. Das weiteste Vordringen des Mittelmeerklimas nach Norden wird im Rhonetal beobachtet, wo die klimatypischen Ausprägungen bis etwa 45 Grad nördlicher Breite beobachtet werden.

Höherer Niederschlagsmengen fallen im westlichen Mittelmeerraum, da hier Winter-Zyklone gut abregnen können. Die Niederschlagsmenge z. B. an der Ligurischen Küste (Genua) und in Nordportugal kann die 1.000-Millimeter-Marke übersteigen. Auch Rom, Algier und Gibraltar erhalten dadurch reichlich winterliche Regenmengen.

Der östliche Mittelmeerraum ist dagegen deutlich kontinentaler – nur die Westseiten der Gebirge (Levanteküste, Montenegro, Westgriechenland) erreichen hier noch Niederschlagshöhen über 500 Millimeter im Jahr.
Die nördlichen Regionen sind grundsätzlich kühler und feuchter als die südlichen. Die Länge der sommerlichen Trockenheit nimmt von Nord nach Süd und von West nach Ost zu.

Bezeichnend für mediterranes Klima sind starke Variabilitäten in Niederschlag und Temperatur. So können insbesondere im kontinentalen Ostteil späte Wintereinbrüche mit Schneefall noch im März auftreten, andererseits sind Hitzeperioden von deutlich über 40 Grad Celsius und lange Dürren keine Seltenheit. Die winterlichen Regen können sintflutartige Ausmaße annehmen und erreichen teilweise an einem einzigen Tag das Mehrfache eines ganzen Monatsdurchschnitts. Überschwemmungen und verstärkte Erosion sind die Folgen. Katastrophal für die Landwirtschaft kann das Aufeinanderfolgen mehrerer nasser oder trockener Jahre sein.

Im Südteil des Mittelmeeres gibt es bereits Übergänge zu Steppen- und sogar Wüstenklima. Das Steppenklima mit einem Jahresniederschlag unterhalb von 300 Millimeter betrifft weite Teile der libyschen und ägyptischen Küste, aber auch einige kleinräumige Regionen in Spanien: Im Windschatten des zentralspanischen Hochlandes (Meseta) und der angrenzenden Gebirge fallen beispielsweise nur noch etwa 200 Millimeter Regen jährlich. Im äußersten Süden reicht die Wüste sogar bis an die Küste heran.

Der Raum um die Obere Adria wird bereits in die gemäßigte Zone gerechnet. In der Po-Ebene, in Venetien und an der slowenischen Küste treten trotz milder Temperaturen keine geschlossenen Trockenperioden auf.

Zitruspflanzen in unseren Breiten Was bedeutet das für österreichische Gebiete? Durch den Klimawandel könnten immer mehr Hartlaubgewächse gepflanzt werden, allerdings nur unter der Prämisse die Winterfeuchte nachzuahmen, das heißt an frostfreien und mehreren aufeinander folgenden Trockentagen sollten die Pflanzen gut mit Wasser versorgt werden. Außerdem empfiehlt es sich, vor allem in Wien, Ostniederösterreich und Nordburgenland, für diese Pflanzen windgeschützte Plätze zu suchen. Die trockenen Winterwinde können zu Abtrocknungen von oberirdischen Pflanzenteilen führen. Ein Winterschutz wird sicher auch in den nächsten Jahrzehnten empfehlenswert sein.

Text: Brigitte Dunkl, Fotos: Thinkstock

Fachartikel

Profibaustoffe Fusszeile Web 2018